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Hunde an der Leine

Zuletzt hatte ich aufgrund einer Operation bei Tori wieder häufiger die Notwendigkeit, meinen Hund an die Leine zu nehmen. Was generell kein Problem ist, aber es gibt einige Dinge, die mir immer mal wieder auffallen.

Zuerst einmal muss ich gestehen, meine Hunde laufen - wo immer es möglich und erlaubt ist - gerne und viel ohne Leine. Sie sind abrufbar und orientieren sich an mir. Auch das ist generell ja kein Problem.

Jetzt treffen wir Hundehalter aber immer mal wieder aufeinander. Die einen angeleint und die anderen eben nicht. Soweit auch kein Problem ...... oder?

Und dann sind sie eben doch da die Probleme. Meiner will doch nur mal Guten Tag sagen, hier ist aber Freilaufgebiet, da müssen die Hunde ohne Leine sein, warum muss ihr Hund denn an der Leine laufen, tut der was? Lassen sie ihn doch los, meiner macht nix, ist doch Rüde und Hündin.

So oder so ähnlich laufen Gespräche immer mal wieder ab.

Eins vorweg. Die allermeisten Begegnungen sind nett, die Hundehalter sind untereinander rücksichtsvoll und freundlich und die Hundebegegnungen laufen normal ab.

Leider gibt es dann noch immer die anderen Begegnungen, die keiner braucht.

Um es mal sehr deutlich klarzustellen. Niemand muss sich dafür erklären, dass sein Hund angeleint ist. Es gibt sicher immer einen Grund dafür, aber der geht einfach niemanden etwas an. Und selbst wenn in einem Gebiet Freilauf gestattet ist, so ist das eben gestattet und nicht verbindlich vorgeschrieben. Wenn also - egal wo - Hunde angeleint in eure Nähe kommen, dann holt doch eure Hunde einfach kurz ran. Nein, sie werden keinen bleibenden Schaden davon tragen, sie werden es euch auch nicht übel nehmen. Sie kommen ran, der angeleinte Hund kann passieren und sie dürfen wieder laufen.

Wenn euch also jemand mit angeleintem Hund bittet, eure Hunde bei euch zu halten, dann macht das einfach. Das macht das leben so viel entspannter. Alles easy und kein Problem.

Abrufbarkeit bei Hunden - nicht nur zur Brut- und Setzzeit

Mit Hunden im Wald unterwegs. Das ist der Traum aller, vorausgesetzt der Hund bleibt in der Nähe des Halters und ist abrufbar. Ansonsten kann sich dies schnell zum Albtraum der Wildtiere entwickeln. Bald ist es wieder soweit. Die Brut- und Setzzeit beginnt. Viele Tierarten bekommen Nachwuchs und der muss auf jeden Fall geschützt werden. Bittet achtet auf eure Hunde. Sollten sie nicht sicher (und ich meine wirklich sicher, nicht eigentlich sicher) abrufbar sein, sichert sie mit einer Leine. Achtet darauf, dass sie auf den Wegen bleiben, nicht ins Unterholz rennen und nichts versehentlich aufstöbern. Denn nur dann ist ein Waldspaziergang ein Traum für alle.
Lasst uns dafür sorgen, dass der Tierschutz nicht bei unseren eigenen Vierbeinern endet. 
Entgegen vieler Vorurteile, kann man Spaziergänge mit Hund auch an der Leine interessant gestalten und den Abruf kann man sehr gut trainieren.
Wer also noch Hilfe braucht oder Fragen hat, kann sich gerne bei mir melden.
Bis dahin wünsche ich uns allen eine schöne Frühlingszeit, die wir alle gemeinsam genießen können.

Bindung, Beziehung, Erziehung, Training oder was

Manchmal inspiriert mich ja die Facebookwelt dazu, Notizen zu schreiben. In diesem Fall ist es so.

Bindung, was ist das eigentlich? Tja, so ganz genau kann ich euch das auch nicht sagen. Wenn man Wikipedia bemüht, findet man über 20 verschiedene Beschreibungen, darunter auch : “Bindung (Hund), in der Kynologie ein Aspekt der Beziehung zwischen Hund und Mensch”

Es ist also ein Aspekt in der Beziehung zwischen Mensch und Hund. Aber haben wir eigentlich eine Beziehung? Das hoffen wir doch sehr. Und wenn nicht, so wollen wir doch alle eine gute Beziehung und Bindung zu unserem Hund erreichen.

Wenn wir Glück haben und bei einem Welpen starten, dann hilft uns, dass ein Welpe unter normalen Umständen gern in unserer Nähe ist. Sorgen wir doch dafür, dass sich der Welpe bei uns wohl und sicher fühlt und dann ist der erste Schritt doch schon gelegt, Sicherheit und Geborgenheit sind wichtig, der Welpe hat schließlich gerade seine Mutter und die Geschwister verloren. Die können wir als Mensch ihm geben und ein Grundstein für eine gute Beziehung ist gelegt. Auch ältere Hunde brauchen durchaus Sicherheit. Sicherheit kann auch ein geregelter Tagesablauf sein, Grenzen und Regeln sind es sicher. Der Hund kann sich auf uns verlassen und fühlt sich wohl bei uns. Wohlfühlen ist auch ein Zauberwort. Wir müssen unsere Hunde kennenlernen. Wir müssen um die Hobbies und Interessen unserer Hunde wissen. Wir müssen Wohlbehagen in ihnen auslösen können (danke an der Stelle an eine meiner Lieblingstrainerinnen für diesen schönen Satz).

Es gibt noch einen sehr schönen Satz, den ich in den letzten Tagen ein paar mal in Facebook gelesen habe: “Beziehung kann man nicht keksen”. Nun da ist etwas Wahres dran. Nur über Futter und Kekse erhält man keine Beziehung oder Bindung, sondern eine Abhängigkeit. Und das wollen wir ja nicht wirklich. Also die Kekse weg lassen? Nein, so ist das nicht. Man muss sie nur vernünftig einsetzen, dann kann man viele Dinge super damit trainieren. Man muss sich nur darüber im Klaren sein, dass Kekse allein keine Präsenz des Halters ersetzen. Man muss da sein und nicht nur so am Rande. Man muss aufmerksam sein, da ist ein Smartphone beim Gassigang wirklich hinderlich. Es beginnt schon damit, dass man dann gar nicht mitbekommt, wenn der Hund nach einem schaut, wie auch. Das genau sollte man aber wahrnehmen, denn auch das zeugt von Bindung. Ich schaue mal, ob mein Mensch noch da ist. Ich schaue mal, ob er vielleicht etwas von mir möchte, ich schaue mal, ob wir vielleicht gemeinsam etwas unternehmen können. Wenn ich das nicht sehe, weil ich abgelenkt bin, dann wird der Hund das sicher noch ein paar mal versuchen, die Versuche dann aber aufgeben, denn es kommt ja keine Reaktion. Es hat mal eine gute Trainerin gesagt: “Man kann nicht nicht kommunizieren”. Ja, auch keine Reaktion ist Kommunikation. Im Grunde sagen wir dem Hund, dass es uns egal ist, was er tut. Und wenn uns Menschen das egal ist, dann macht der Hund eben, was ihm Spaß macht, leider macht das meistens weder uns Menschen noch anderen Tieren Spaß.

In diesem Sinne: fördert eine Beziehung zu eurem Hund, arbeitet an der Erziehung eures Hundes und habt Spaß mit eurem Hund.

DAS IST BINDUNG

Was macht ihr eigentlich anders

Diese oder eine ähnlich Frage stellen mir meine Kunden immer mal wieder.

Die Antwort darauf ist ganz einfach, alles und auch nichts.

Nichts, weil die Hundeerziehung auf Wissenschaft aufgebaut ist und die Lerntheorien für jeden Trainer gleichermaßen gelten. Auch wenn viele damit werben, ganz anders zu arbeiten. Es gibt eine wissenschaftliche Erklärung, wie Hunde lernen und diese Wissenschaft ist nicht wegzudiskutieren. Egal, ob die einen mit oder ohne Futter, mit oder ohne Spielzeug, mit oder ohne Strafen, mit oder ohne positive Verstärker arbeiten. Die Lerntheorien sind für alle gleich.

Alles, weil jeder geht ganz unterschiedlich mit Mensch und Hund um. Deshalb ist auch nicht jeder Trainer für jedes Mensch-Hunde Team geeignet, deshalb ist es gut, dass es verschiedene Ansätze gibt, die Lerntheorien umzusetzen, deshalb ist es gut, sich als Hundehalter verschiedene Dinge anzuschauen.

Um es also kurz zusammenzufassen: Letztendlich muss jeder Hunderhalter für sich selbst herausfinden, wo er sich wohl fühlt, wem er vertraut und wie er mit seinem Hund arbeiten möchte. Ein gesundes Maß an Bauchgefühl hat sicher jeder und dem gilt es auch zu vertrauen. Sympathie spielt gerade in der Hundeerziehung eine nicht unerhebliche Rolle. Wenn mir mein Hundetrainer schon unsympathisch ist, dann widerstrebt es mir auch, seine Tipps umzusetzen. Wenn allerdings mein Hundetrainer nur nett und sympathisch ist, mir aber nie ehrlich seine Meinung sagt (Höflichkeit ist natürlich Grundvoraussetzung), hilft mir das auch nichts.

Wer also einen Hundetrainer sucht, der sollte das Gespräch suchen, ich mal eine Stunde anschauen, sich selbst ein Bild machen, Fragen stellen, Antworten erwarten und sich dann selbst fragen, will ich das so für meinen Hund. Wenn man diese Frage mit ja beantworten kann, dann macht man alles richtig. Ob anders oder nicht.

Ach so, wenn ein Trainer nicht erlaubt, dass ihr bei einer Stunde zuschaut, lasst euch erklären warum und seid im Zweifel skeptisch.

In diesem Sinne, passt gut auf eure Vierbeiner auf.

Lasst euch das nicht gefallen

Hundehalter sind eine Spezies Mensch, die mit ihren Hunden zusammen leben und dies nach Möglichkeit glücklich und entspannt tun möchten.

Dazu geht diese Spezies Mensch manchmal zu Hundetrainern und hier beginnt das Dilemma.

Hundetrainer sind nämlich meist ebenfalls in der Spezies Hundehalter anzutreffen mit ganz eigenen Problemen. Wenn ein Hundetrainer das weiß, dann wird oft alles gut. Der Trainer sieht das Problem des Halters, es wird ein – für dieses spezielle Halter/Hund Team – Trainingsplan aufgestellt und dann wird der Weg des Hundehalters ein glücklicher und entspannter sein. Ein erzogener Hund, ein entspannter Mensch und ein glückliches Mensch/Hund Leben.

Soweit die Theorie

Leider vergessen viele Hundetrainer, dass sie in diesen Fällen Dienstleister der Hundehalter sind und wie sie selbst als Hundehalter in diesem Fall behandelt werden wollten. Das heißt nicht, dass man sich als Hundetrainer schlecht behandeln lassen muss, das heißt aber vor allem nicht, dass man den Hundehalter schlecht behandeln darf. Und mit schlecht behandeln sind unterschiedlichste Dinge gemeint.

Die einen maßen sich an, dem Hundehalter den Hund aus der Hand zu nehmen, um zu zeigen, wie toll das beim Trainer klappt.

Die anderen halten den Hundehaltern einen Vortrag darüber, dass sie ja alles falsch machen und der Hund deshalb ja nie erzogen werden kann.

Weitere nun wieder interessiert es überhaupt nicht, was der Hundehalter möchte, sie ziehen einfach mal ihren Stiefel durch.

Wieder andere treiben sich in Foren herum und beschimpfen alle, die es wagen nicht so zu arbeiten wie sie selbst.

Man könnte diese Reihe sicher noch weiter fortführen und jeder von uns Hundetrainern (auch ich) sollte einmal reflektieren, welche Frechheiten wir uns bei unseren Kunden herausnehmen, denn sicher macht jeder von uns solche Dinge auch einmal. Wichtig dabei ist es aber, dies zu sehen und bei sich selbst mit der Änderung zu beginnen.

Mein Appell an alle Hundehalter da draußen. Lasst es euch nicht gefallen, wenn euer Trainer euch ein schlechtes Gefühl gibt. Lasst es euch nicht gefallen, wenn euer Trainer euch etwas aufzwingt, was ihr nicht möchtet. Lasst es euch nicht gefallen, wenn euer Trainer euch ungefragt euren Hund aus der Hand nimmt und euch damit schlecht dastehen lässt. Lasst es euch nicht gefallen schlecht behandelt zu werden. Specht es an und wenn das nicht hilft, such euch einen anderen Trainer.

An alle Trainerkollegen, die jetzt schreien, aber unsere Kunden behandeln uns auch oftmals wie Deppen.

Lasst euch das nicht gefallen.

Was mir so bei und nach meinen Spaziergängen so durch den Kopf geht

Es war mal wieder ein wunderschöner Morgen, an dem ich mit meinen beiden tollen Hunden einen entspannten Spaziergang am Rhein machen durfte. In Ruhe und Frieden begaben wir uns zum Wasser, um dort den Sonnenaufgang zu genießen. Manchmal treffe ich auf einige wenige andere Hundebesitzer, die meist auch entspannt durch die Weltgeschichte laufen.

Manchmal jedoch treffe ich auf Menschen mit ihren Hunden, die mich zum Nachdenken anregen.

Warum müssen Hunde, die nicht abrufbar sind, ohne Leine laufen?

Warum können solche Hunde nicht an einer Leine oder Schleppleine sein?

Sind sich die Halter bewusst, dass sie andere Tiere und auch ihre Hunde in Gefahr bringen?

Kann man sich daran gewöhnen, dass man mindestens 20 Minuten auf seine Hunde warten muss?

Will man sich daran wirklich gewöhnen?

Warum ändert man nichts?

Versteht mich nicht falsch, es kann immer mal vorkommen, dass ein Hund möglicherweise einmal losrennt, weil er etwas gesehen hat. Aber man kann schon erkennen, wenn das Rufen und Pfeifen zur Normalität gehört und die Dauer des Wartens nicht außergewöhnlich lang ist.

Da laufen also Hundehalter entspannt und unaufgeregt rufend und pfeifend durch die Weltgeschichte und schauen ruhig dabei zu, wie ihre Hunde aus gefühlten Kilometern Entfernung über den Deich rauschen, dabei möglicherweise Radfahrer oder Fußgänger über den Haufen rennen oder von Radfahrern über den Haufen gefahren werden. Dabei nicht zu vergessen, dass hinter dem Deich auch Autos fahren und dort ein Unfall geschehen könnte.

Ich kann mir die o.g. Fragen leider nicht beantworten und damit komme ich nochmal kurz zurück auf meine Notiz „Und, was können die so?“

Hunde müssen nicht furchtbar viel können, aber zurückkommen, wenn ich rufe ist oberstes Gebot. Ich weiß, dass es jagdlich ambitionierte Hunde gibt, bei denen das ein Problem ist, aber auch daran kann man arbeiten. Und so lange das nicht funktioniert, gehören diese Hunde gesichert. Zu ihrem Schutz und zum Schutz der anderen. Zudem gibt es doch Möglichkeiten, diesen Hunden das Rennen zu ermöglichen. Es gibt eingezäunte Hundefreiläufe, es gibt Jederhundrennen, man kann mit dem Rad fahren oder mit Inlinern (das muss natürlich geübt werden). Aber das alles sind Möglichkeiten, die ungefährlich für die jeweiligen Hunde sind.

Wenn ihr also daran arbeiten wollt, dann sprecht mich gerne an. Bis dahin, lasst uns doch alle ein wenig Rücksicht nehmen.

Und, was können die so?

Es ist ja oftmals bei Hunden ähnlich, wie bei Kindern. Die “Hundeeltern” wetteifern darum, welcher Hund am schnellsten stubenrein ist, wer schon “Sitz” oder “Platz” kann, wer schon welchen Trick kann und welcher Hund schon welchen Pokal eingeheimst hat. Ja, Hunde können schon tolle Dinge lernen, aber fragen wir sie auch, ob sie das wollen? Nicht jeder Hund hat eine Karriere als Sporthund vor sich, nicht jeder Hund will den Schönheitswettbewerb gewinnen, nicht jeder Hund will Sucharbeit machen oder will irgendetwas ziehen.

Es gibt ein paar Dinge, die sollte jeder Hund beherrschen. Dazu gehört zu allererst, dass der Hund abrufbar ist, auch bei Ablenkung. Wenn das nicht funktioniert, dann sollte das unbedingt geübt werden. Weiterhin sollten Hunde Menschen gegenüber freundlich oder zumindest neutral begegnen. Wenn das nicht der Fall ist, so sollte man den Hund entsprechend sichern (Maulkorb, Leine) und trainieren (guter Trainer ist hier unbedingt erforderlich). Auch Hunden gegenüber sollte der Hund ein entsprechend neutrales Verhalten an den Tag legen. Das heißt allerdings nicht, dass Hunde sich nicht auch einmal raufen. Kann passieren, sollte man draus lernen und entsprechend trainieren (und sichern).

So und damit wären wir schon bei den Dingen, die ein Hunde können kann, die sehr hilfreich sein können, aber ohne die man notfalls leben kann. Sitz, Platz, Steh und Bleib sind sehr nützliche Signale, mit denen man im Alltag einiges anfangen kann. Und für den Alltag reichen diese Signale auch irgendwo neben uns Menschen. Beim Sporthund ist das anders, da sollte das schon ordentlich und gerade neben uns erfolgen. Lockeres Laufen an der Leine ist auch so eine nützliche Sache. Ist einfach netter, wenn einen die Hunde nicht durch die Weltgeschichte zerren. Aber man kann halt notfalls auch echt ohne diese Dinge durchs Leben gehen.

Dann wären noch die Dinge, die wir unseren Hunden beibringen, weil es ihnen vermeintlich langweilig ist. Das werden Socken ausgezogen, Lichtschalter betätigt, Rolle und toter Hund trainiert und noch alle möglichen kleinen Tricks. Nett um unsere Hunde zu beschäftigen, aber notwendig ist es echt nicht. Insbesondere wenn man bedenkt, dass Hund recht viel Ruhebedürfnis haben und dies kommt manchmal durch das Dauerbespaßen einfach zu kurz.

Wenn euch also demnächst nochmal jemand fragt: “Und, was kann der denn so?” Dann könnt ihr entweder sämtliche Tricks aufzählen oder lächeln und kurz zusammengefasst sagen, mein Hund kann ein toller Hundekumpel sein und mich im Alltag begleiten. Denn das genau ist etwas, das unsere Hunde gern tun. Bei uns sein, Dinge mit uns erleben, Abenteuer mit uns bewältigen und last but not least, unser Hund sein.

Und was können meine Hunde? Sie können mit mir in der Natur unterwegs sein, ohne fremde Menschen und Tiere zu belästigen, sie können mit mir kuscheln, mit mir spielen. Sie können mir sogar beim Training helfen. Aber am allerbesten können sie mich glücklich machen. Hach ich habe die besten Hunde der Welt, genau wie ihr alle auch.

Hundehalter im Allgemeinen und im Speziellen

Heute möchte ich euch mal meine Erfahrungen mit anderen Hundehaltern in Auslaufgebieten (in diesem Fall bei uns am Rhein) schildern. Ich weiß, dass es viele Leute gibt, die jetzt schreien: “Ach du ja, das ist furchtbar, lauter Tutnixe, lauter nicht erzogene Hunde, lauter hysterische Hundehalter”. Mag ja sein, der Meinung bin ich aber nicht. Auch wenn mir hin und wieder Hundehalter begegnen, über die ich nur den Kopf schütteln möchte, so gibt es unglaublich viele richtig tolle Leute, die man so treffen kann. Aber mal der Reihe nach.

Ich habe das Glück meine Mittagspause manchmal an unserem schönen Rhein verbringen zu können, so auch heute. Also erstmal Hunde ins Auto gepackt und zum Parkplatz gefahren. Wie ihr sicher wisst, nenne ich Kiara (5 Jahre, Beauceron-Dame) und Tori (9,5 Monate, Beauceron-Pubertier) mein eigen. Beide sind gut ablein- und abrufbar und so dürfen sie in dem von uns gewählten Gebiet auch frei laufen. Allerdings beginnt alles damit, dass sie auf dem Parkplatz mal ruhig aus dem Auto steigen können. Naja, an ruhig arbeiten wir bei Tori noch :-). Nun also angeleint über den Deich und hinter dem Deich die Leinen ab. Beide Hunde freuen sich und laufen los. Aus dem Augenwinkel sehe ich zwei Personen mit 2 Ridgebacks in Richtung Treppe laufen. Aus der Ferne kann man erkennen, dass die beiden Hunde noch sehr jung sind (ich vermute mal so ca. 5-6 Monate). Da Kiara Welpen und Junghunde nicht soooo prima findet und sie hier keinen Erziehungsauftrag hat, nehme ich sie ran und denke noch, dass die beiden ja prima bei ihren Leuten bleiben. Leider währt der Gedanke nicht lange und die beiden Süßen kommen doch zu uns gelaufen. Tori gibt wirklich alles, um mit ihnen von uns weg zu spielen, aber offensichtlich wollen die lieber zu Kiara. Daran hindere ich die beiden erfolgreich. Schnell kommen die Halter zu Hilfe, entschuldigen sich nicht eher reagiert zu haben. Kann vorkommen, nichts passiert. Kurz gesprochen und weiter geht der Spaziergang. Prima Begegnung, die Junghunde haben keine Ansage bekommen und Kiara hat mal wieder gelernt, dass ich mich kümmere. Prima oder?

Weiter gehts zu einem jungen Labrador Rüden (ca. 1,5 Jahre alt), der leider in meine Sitz- und Warteübung rennt. Egal, sei es drum, hier also den Abruf von Tori trainiert und wieder mal bemerkt, dass Kiara recht entspannt ist. Noch kurz nett mit der Halterin unterhalten, prima Begegnung, zwar leicht anders als geplant, aber wir haben schließlich Lebewesen an der Leine.

In der nächsten Buch einen Mann mit einem Boxerrüden getroffen. Wir sind schon aneinander vorbei, da überlegt es sich der Boxer doch nochmal an Kiara riechen zu wollen. Die wiederum nimmt das Recht für sich in Anspruch. Kurz laut, alles klar, Herrchen lacht und stellt fest, die “Weiber” haben halt doch die Hosen an. Alles entspannt, prima Begegnung, gute und klare Hundekommunikation.

Auf dem Rückweg noch ein Paar mit einen kleinen Hund an der Leine getroffen, die etwas besorgt schauten, weil meine beiden, doch recht großen Hunde um mich herumwuselten. Also meine Hunde kurz an die Leine genommen, mit einem Lächeln aneinander vorbeigegangen und schon ist alles prima.

Ihr seht also. Ein kleines bisschen Rücksichtnahme, Weitsicht und auch Gelassenheit macht aus ganz vielen Begegnungen gute Begegnungen und auch gute Erfahrungen.

Am Ende leider noch ein Wermutstropfen. In einer Bucht saßen Menschen auf Handtüchern, soweit prima. Allerdings hatten die einen recht kleinen Hund dabei, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, alle Hunde sehr lautstark und pöbelig aus der Bucht zu vertreiben, ohne dass die Menschen auch nur im Geringsten reagiert haben. Da hätte man anders lösen können, zumal die Gefahr ja auch gegeben ist, dass mal ein anderer Hund so richtig Antwort gibt. Wie auch immer, meine gingen locker drum herum, also für mich eine gute Begegnung, ich durfte feststellen, dass sich meine Hunde nicht provozieren lassen, wie gut für den anderen Hund vermag ich nicht zu sagen, bin da aber geteilter Meinung.

Sei es drum, das alles kann man aus einem Mittagspausen-Spaziergang mitnehmen und dazu braucht man nicht viel Aufwand, keine Geräte, nur Hunde, gesunden Menschenverstand, Gelassenheit und Rücksichtnahme.

Was ist beim Welpen wichtig

Da ja gerade ein Welpe bei mir eingezogen ist und ich feststellen muss, dass ich seit Kiara eine Menge vergessen / verdrängt habe, hier nun eine grobe Zusammenfassung:

  1. Sauberkeitserziehung:
    Nach dem Schlafen, nach dem Spielen, nach dem Fressen, immer raus gehen und schön loben, wenn das große und kleine Geschäft draußen erledigt wurde. Darauf achten, dass es draußen nicht zu aufregend ist und der Welpe auch Zeit hat, sich zu lösen. Ansonsten sollte man schauen, dass man (je nach Welpe) alle 3 bis 4 Stunden raus geht. Bitte aber nicht den Welpen dafür extra wecken (s. Punkt 3: Ruhe halten)

  2. Rückruf:
    Da macht es das junge Alter des Welpen einem meist recht einfach. Meist halten sich Welpen ohnehin in der Nähe ihrer neuen Menschen auf (in meinem Fall auch in der Nähe des älteren Hundes). Da kann man kurz rufen und belohnen, wenn der Welpe da ist.

  3. Ruhe:
    Ganz wichtig ist auch das Ruhebedürfnis von Welpen. Die meiste Zeit des Tages sollten die Zwerge verschlafen oder dösen. Daher hier die Bitte: Die Spaziergänge nicht zu lang, zu Hause Ruhe halten. Manchmal muss man Welpen dabei helfen Ruhe zu halten, sei es über eine Leine, über einen fest zugewiesenen Platz oder eine gut auftrainierte Box. An seinem Rückzugsort sollte der Welpe dann auch nicht gestört werden. 

  4. Leinenführigkeit:
    Gern kurze Einheiten draußen. Lange Leine, loben, wenn die Leine locker ist. Nicht weiter gehen, wenn Zug auf der Leine ist. Bitte nicht trainieren, wenn der Hund gerade muss.

  5. Sitz und Platz und so weiter:
    Das kann man minutenweise immer mal zu Hause ohne Ablenkung trainieren. 

  6. Alleinsein:
    Bitte sekundenweise starten. Erstmal innerhalb der Wohnung eine Türe schließen. Keine großen Verabschiedungs- oder Begrüßungsszenen. Dann auch mal durch die Hautüre (Müll runter bringen z.B.) Da langsam steigern. Nicht, dass alle Hunde allein bleiben müssten, aber schön wäre es, wenn sie es eine Weile könnten.

Damit ist es das auch schon. Schön wären noch ein paar gute Hundekontakte sowohl mit vernünftigen erwachsenen Hunden als auch mit anderen Welpen, mit denen sich das Hundekind mal messen kann. Dies aber bitte unbedingt immer unter Aufsicht.

Ansonsten kuscheln, loben, spielen und die Welpenzeit genießen, sie ist ohnehin kurz genug.

So und jetzt widme ich mich auch wieder meiner Tori und (ganz wichtig) der guten Kiara :-)

Beschäftigung auf Teufel komm raus???

Nein!!

Ich biete Beschäftigungskurse für Menschen mit ihren Hunden an und ich finde Beschäftigung auch gut. Ich bin allerdings ein Gegner davon, Hunde tagein tagaus auslasten zu wollen.

Man bekommt einen Hund, optimalerweise hat man sich vorher damit auseinandergesetzt, was für einen Hund man will und warum. Und dann geht es los.

Du hast einen Hütehund, oh je, der muss aber ständig ausgelastet werden.

Du hast einen Jagdhund, oh je, den kannst du nie von der Leine lassen.

Du hast einen Windhund, oh je, mit dem musst du zu Hunderennen gehen.

Du hast einen Terrier, oh je, die kann man nicht erziehen.

Dies oder zumindest etwas so ähnlich hat fast jeder von uns schon einmal gehört.

Zunächst einmal möchte ich dazu generell etwas sagen. Ja, Hundearten haben verschiedene Bedürfnisse und eventuell auch verschiedene Interessen. Dies kann aber innerhalb der Hundeart auch individuell verschieden sein. Und ja, die verschiedenen Hundearbeiten kann man unterschiedlich auslasten. Und damit sind wir schon beim Problem. Bis wohin ist Auslastung / Beschäftigung noch gut.

Was will ich euch nun also damit sagen. Schaut euch euren Hund genau an. Schaut euch an, woran euer Hund Spaß hat (jeder Hund hat ein Hobby). Schaut euch an, woran ihr davon auch Spaß habt (es macht nur Sinn, wenn Mensch und Hund das zusammen gerne machen). Sucht euch ein oder maximal zwei Dinge aus, die ihr ausprobiert. Sprecht dazu auch mit einem gut ausgebildeten Trainer, der euch keine Stunden verkaufen will, sondern objektiv schaut, ist das was für euch oder nicht. Wenn davon etwas passt, macht es mit viel Spaß, wenn nicht, schaut euch weitere Möglichkeiten an.

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten der Beschäftigung mit Hund. Dies alles aufzuzählen wäre viel zu lang, aber es gibt auch unendlich viele Möglichkeiten sich zu informieren.

Das wichtigste dabei ist aber, gebt euren Hunden die Möglichkeit zu ruhen, einfach so rumzulaufen, einfach mal seine Umgebung zu erkunden, mit euch zusammen beim Gassigang etwas zu erleben, mit euch zu kuscheln, mit euch zu spielen und sich mit euch zu beschäftigen.

Zusammen mit euch durch die Welt zu gehen, die Umgebung zu erkunden und verschiedene Dinge zu erleben, ist die beste Beschäftigung und Auslastung, die ein Hund haben kann.

 

ZUSAMMEM

Hunde brauchen Hunde

Ist das so? Für ein glückliches Hundeleben wäre das schon gut - ABER!!!

Hunde brauchen vernünftige Hundekontakte. Kontakte, bei denen sie sich wohl fühlen, bei denen sie sich messen können (im vernünftigen Rahmen), bei denen sie sich mal unterordnen müssen (ebenfalls im vernünftigen Rahmen) und bei denen sie sich mal behaupten können. All dies müssen Hunde lernen. Optimalerweise bringen sie schon einiges mit, weil sie mit Eltern, Geschwistern und eventuell noch weiteren Hunden (Tante, Oma etc.) aufwachsen. Im besten Fall haben sie hier schon die ersten Verhaltensregeln mitbekommen, so z.B., wenn der Welpe zu nervig war, bekam er von Mama, Tante, Oma oder so eine klare Ansage.

Im neuen Zuhause wird dies optimalerweise weitergeführt. Man sucht gute und vernünftige Hundekontakte, diese können in der direkten Umgebung stattfinden, in einer gut geführten Welpengruppe (keine reinen Spielgruppen bitte, wo die Hunde unkontrolliert aufeinander losgelassen werden) und auch auf den (bitte noch kurz gehaltenen) Spaziergängen. Wichtig dabei zu beachten ist, dass die Welpen keinen sogenannten Welpenschutz haben, achten Sie also darauf, dass ihr Welpe nicht einfach zu jedem Hund hinrennt. Klären Sie im Vorfeld, ob der andere Hund mit Welpen kompatibel ist. Achten Sie bitte auch darauf, dass Sie Ihrem Welpen Schutz bieten, wenn dieser überfordert ist und bei Ihnen Schutz sucht. Ihr Hund muss und soll sich bei Ihnen sicher fühlen.

Wenn das nun also gut funktioniert hat, so bekommt man mit ein bisschen Glück einen verträglichen Hund. Wer nun aber denkt, dass jeder Hund mit jedem spielen muss, dass jeder Hund jeden anderen Hund toll finden muss, der irrt. Auch dem verträglichsten Hund begegnet vielleicht mal ein Hund, den er nicht leiden kann. Wenn es dann einmal laut wird, ist das kein Beinbruch. Kommunikation unter Hunden muss gestattet sein. Wenn meine Hündin nicht will, dass ein Rüde ihrem Hinterteil zu nahe kommt, dann äußert sie das laut und deutlich. Ja, manchmal schnappt sie auch in die Luft, wenn das Knurren nicht gereicht hat. Auch diese Kontakte sind wichtige Kontakte. Hier lernt meine Hündin, die Kommunikation so deutlich wie nötig zu halten und nicht über das Maß hinaus und der Rüde lernt im besten Fall, dass er nicht der Held jeder Hündin ist und sich vielleicht beim nächsten Mal höflicher nähern könnte.

Letzlich muss ein Hund nicht jeden Hund lieben, es wäre aber schon gut, wenn er akzeptiert, dass andere Hunde in der Nähe sein dürfen und es dabei nicht zu einer Rauferei kommt.

Und das allerwichtigste ist: HUNDE MÜSSEN NICHTS EINFACH SO UNTER SICH AUSMACHEN!! Manche Dinge können gut sozialisierte Hunde selbst klären, aber am Ende liegt die Verantwortung für den Hund beim Halter.

Der eigene Hund ein Problemhund? – aus dem Hunde-Leben einer Hundetrainerin

Ich widme mich ja sehr häufig den Hunden meiner Kunden und das tue ich sehr gern. Ich freue mich mit ihnen über die Fortschritte, leide mit ihnen, wenn etwas nicht so klappt. Meistens finden wir aber einen guten und gemeinsamen Weg.

Heute möchte ich mich aber ausnahmsweise mal mit meiner Hündin beschäftigen, denn auch wir Hundetrainer haben Hunde mit ganz normalen Problemen und auch wir sind dann nur Hundehalter mit ganz normalen Problemen. Ich habe euch das mal zusammengefasst und hoffe, es gefällt euch.

Der erste eigene Hund war ja einfach. Man war keine Hundetrainerin, ließ sich anleiten und hatte zudem noch Glück, dass der Hund – auch wenn er aus dem Tierheim kann – sich als weitestgehend völlig problemlos herausstellte. Vielleicht vergisst man die Probleme, die man hatte auch nach einiger Zeit einfach wieder. Sei es drum, so ist jedenfalls meine Empfindung, wenn ich an Simba zurückdenke. Sie war da, sie war entspannt, sie war der beste Hund der Welt.

Und dann kommt ein Hund, wenn man schon eine Weile Trainerin ist. Man bekommt einen Welpen, der wird erzogen und trainiert. Er hört super, kommt wenn man ruft, beherrscht weitestgehend alle gängigen Signale und dann – plötzlich – aus welchen Gründen auch immer – will die eigene Hündin entscheiden, welcher Hund sich wo bewegen darf und welcher nicht. Das wird dann notfalls unter Einsatz der Zähne versucht durchzusetzen. Das ist dann der Moment, an dem man glaubt, dass man als Hundetrainerin versagt hat. Hat man aber gar nicht, man hat ganz normale Probleme, die man als Hundehalter so hat. Möglicherweise sieht man es nur schneller und eventuell schlimmer, weil man als Trainerin anders drauf schaut. Zunächst einmal denkt man darüber nach, was man einem Kunden in der Situation raten würde. Man versucht das alles umzusetzen, um festzustellen, dass das beim eigenen Hund ganz anders ist. Dann geht alles ganz schnell, Hilfe von außen geholt, schließlich ist man beim eigenen Hund ganz sicher als betriebsblind einzuschätzen. Man sorgt dafür, dass der Hund noch besser erzogen ist (zu gut erzogen), man achtet sehr genau auf sein Umfeld, was man aber völlig vergisst, ist zu atmen. Nach einer Weile wird es besser, man fängt vorsichtig an, seiner Hündin zu trauen und dann sind da noch die Freunde und Trainerkollegen, die einem immer wieder sagen, trau deiner Hündin doch etwas zu, die ist doch super. Zunächst glaubst du es nicht, aber immer häufiger stellst du fest, da ist was dran. Du fährst in Urlaub, triffst dort fremde Hunde und es funktioniert. Du läufst in einer Gruppe mit und es funktioniert.

Und dann kommen so Tage wie neulich, an denen man in einer Gruppe spazieren geht, um eine Hündin zu unterstützen, die andere Hunde anpöbelt und nicht sicher mit Hunden ist. Da siehst du deine Hündin auf diese Hündin zulaufen, anschauen und …… vorbeigehen. Sie würdigt sie keines weiteren Blickes und gibt ihr damit zu verstehen, entspanne dich. Es passiert nichts. Lauf mit uns und alles wird gut.

Ich bin so stolz auf meine Kiara und so dankbar, dass ich diese tolle Hündin zu mir bekommen durfte. Sie ist da, sie ist entspannt und sie ist der beste Hund der Welt.

Kommunikation unter Hunden – ein Beispiel

Nachdem ich mich ja nun inzwischen im „Schreibewahn“ befinde, möchte ich kurz mit euch einen Gedanken teilen, den ich heute beim Spaziergang an unserem schönen Rhein so hatte.

 

 

Kiara und ich trafen eine Hundehalterin mit 2 Rüden. Tolle Hunde – ich als Hündin wäre mehr als interessiert gewesen – aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Kiara (war da ganz anderer Meinung) lief einige Schritte vor mir und einer der beiden Rüden kam in recht geduckter und schleichender Haltung auf Kiara zu. Sie fand das eher unhöflich und lief einen kleinen Bogen. Der andere Rüde war deutlich höflicher und näherte sich seitlich.

So hätte alles schön sein können, wenn da nicht das rege Interesse des einen Rüden am Hinterteil von Kiara geweckt worden wäre. Dazu muss man sagen, dass Kiara kastriert ist und im Allgemeinen für „Otto-Normal-Rüden“ nicht sonderlich interessant riecht, dieser Rüde aber hatte großes Interesse.

Ich war inzwischen weiter gegangen, hatte aber ein Auge drauf.

Kiara sagte dem Rüden recht deutlich, dass sie seine Nase nicht in ihrem Allerwertesten finden wollte, vor allem nicht, wenn man sich noch nicht einmal vernünftig begrüßt hätte. Der zweite Rüde hatte diese Ansprache auch gleich gut verstanden und trollte sich. Der interessierte Rüde jedoch befand sich für unwiderstehlich und versuchte erneut sein Glück. Es wurde kurz laut, ein Knurren, ein Schnappen, ein Quietschen und damit war für alle Beteiligten ganz klar: Kiaras Hinterteil gehört nur einem Hund, nämlich Kiara selbst.

Besonders erwähnenswert finde ich auch die tolle Besitzerin der beiden Rüden, die tiefenentspannt erklärte, dass man eben eine fangen muss, wenn man die erste – auch schon deutliche – Ermahnung nicht erkennen möchte.

Dies war eine Situation, die man gut laufen lassen konnte. Zum einen waren die Hunde annähernd gleich groß, zum zweiten liefen alle frei, zum dritten waren die Halter entspannt und die Hunde hätten eine gute Möglichkeit gehabt, sich aus dem Weg zu gehen, wenn sie denn nur gewollt hätten, Platz war genug da.

Was ist hier nun also an Kommunikation abgelaufen:

  1. Der erste Rüde kam schleichend in Richtung Kiara und sagte ihr damit: dich hole ich mir gleich (das muss im übrigen nichts sein, was man negativ bewerten muss, das kann auch in einem Spiel resultieren).

  2. Kiara lief einen Bogen und antwortete damit, och nö, lass mal. Ich habe nicht wirklich Lust auf ein Treffen mit dir.

  3. Der zweite Rüde lief einen kleinen Bogen, ließ sich kurz beschnüffeln und ging wieder, sagte also ganz klar. Okay, nett dich mal getroffen zu haben, aber lass uns jetzt weiter gehen.

  4. Der erste Rüde kam im übertragenden Sinne mit den Worten „Hey Baby- was geht“ auf Kiara zu, sie sagte: „Lass mich in Frieden!!“

  5. Der Rüde dann wieder: „Ach komm, ihr Frauen meint doch ja, wenn ihr nein sagt, da geht doch was“, sie wieder: „Ich sagte es dir jetzt nicht nochmal, du Wurst, geh weg von mir, sonst passiert ein Unglück“.

  6. Rüde wieder: „Ja schon gut, habs verstanden. Hättest mir nicht gleich mit den Stöckelschuhen auf die Füße latschen müssen“

Kann man nun also daraus schließen, dass Hunde alles unter sich ausmachen können, nein kann man nicht.

Wenn in diesem Fall meine Hündin zu mir gekommen wäre, hätte Anzeichen von Unsicherheit oder Angst bzw. Stress gezeigt, wäre es meine Verantwortung gewesen, die Rüden von ihr fernzuhalten. Generell gilt: Bei mir ist mein Hund sicher. Ich schütze sie, ich helfe ihr, ich bin für sie da, ich bin ihre Familie. Kiara muss nichts allein regeln, wenn sie das nicht will und nicht kann. Ich habe allerdings dafür gesorgt, dass sie die notwendige Sicherheit hat und auch ausstrahlt, dass sie kleine Dinge allein regeln kann, ohne zu überziehen.

Generell noch ein Hinweis: Hunde, die sich nicht kennen, müssen nichts, aber auch gar nichts, allein unter sich ausmachen. Das würde auch keinen Sinn machen, wahrscheinlich treffen sie sich nie wieder. Wir diskutieren auch nicht auf der Straße mit jedem wildfremden Menschen unsere Probleme. Wieso auch.

Gut sozialisierte und sichere Hunde können Situationen selbst einschätzen und diese bewältigen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass man seinen Hund im Auge behalten muss und helfen sollte, wenn der Hund Schutz sucht.

Weiterhin sollte jedem Hundehalter klar sein:

  • Ein angeleinter Hund sollte generell nicht durch einen unangeleinten Hund belästigt werden.

  • Ein Hundehalter muss nicht erklären, warum er seinen Hund angeleint hat.

  • Hunde müssen sich nicht immer und überall „Guten Tag“ sagen, schon gar nicht an der Leine.

  • Knurren und auch mal Zähne zeigen ist Kommunikation und ein Warnhinweis.

  • Fremde Hunde müssen nicht miteinander spielen, in den allermeisten Fällen tun sie dies auch nicht (auch wenn es für manche Hundehalter so aussehen mag).

Achtet auf eure Hunde, beobachtet sie, habt eure Hunde und die Umwelt im Blick. Gassi gehen ist nicht die Zeit für Handyspiele, wichtige Mails oder ähnliche Dinge, die die Aufmerksamkeit des Hundehalters vom Hund weg locken. Gassizeit ist Qualitätszeit für euch und eure Hunde. Achtet auf eure Hunde, lasst sie Hund sein, aber lasst sie nicht allein. Gassizeit ist nicht – jeder läuft so seines Weges. Gassizeit ist Zusammenzeit.

In diesem Sinne wünsche ich euch noch viele schöne Spaziergänge mit euren Hunden und tolle Begegnungen.

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